Jugendliche mit Stadträten im Dialog über das, was sie bewegt

  Artikel und Fotos von Gaildorfer Rundschau / Cornelia Kaufhold 05.03.2018 Heinrich Reh hat nur zwei, drei Flipcharts anschauen können. Der Gemeinderat bedauert, nicht mehr Zeit für den Dialog mit den Jugendlichen gehabt zu haben. Im Nu vergehen die 45 Minuten beim Jugendforum am Freitagmittag in der Limpurghalle, während der die circa 100 Teilnehmer mit den Besuchern über ihre Themen sprechen. „Es war sehr gut“, resümiert der Fraktionssprecher der Freien Wählervereinigung. Er werde „vieles mitnehmen“. Sam ist beim Jugendforum als Einziger ein Einzelkämpfer. Er hat sich mit dem Thema Jugendgemeinderat beschäftigt. Er wünscht sich solch ein Gremium in Gaildorf und zählt Argumente dafür auf. Nebenan haben vier, fünf Schüler das Thema Sicherheit aufgearbeitet. Matthias Rebel von der CDU-Fraktion hört ihnen zu, fragt nach, diskutiert mit ihnen. Sie erklären, an welchen Plätzen der Stadt sie sich unwohl oder unsicher fühlen. Als Brennpunkte nennen sie den Bahnhof und den Marktplatz. „Citystreife als Freund und Helfer statt Einschränker“ notieren sie unter der Überschrift „Verbesserungen“. Freies WLAN in Gaildorf wünscht sich Andrea. Die Siebtklässlerin hat mit Jungs der Klassen 10 und 11 das Thema erarbeitet und diskutiert mit Bürgermeister Zimmermann. „Er sagt, das dauert noch, ist aber in Arbeit“, berichtet sie. „Wir könnten die Zeit während des Unterrichtsausfalls sinnvoll nutzen, wenn wir WLAN hätten statt dieser lahmen PCs“, argumentiert ein Schüler. Ohne Netz seien die 90 Minuten verlorene Zeit.

Angeregte Gespräche

Verteilt über den Saal stehen Jugendliche, Gemeinderäte und Mitarbeiter der Verwaltung zusammen und sprechen miteinander. Viele fotografieren die Flipcharts ab, Manfred Sonner vom Verbandsbauamt etwa. „Das sind ganz interessante Vorschläge, die sich teilweise leicht umsetzen lassen“, meint er. Jugendreferentin Pia Dahlinger hat das Jugendforum initiiert. „Die Präsentation soll der Auftakt eines ernstgemeinten Beteiligungsprozesses von Jugendlichen in Kommunalpolitik sein“, erklärt sie. „Wer fühlt sich ernstgenommen?“, fragt Erik Flügge am Ende der Veranstaltung die Jugendlichen. Einige Daumen zeigen nach oben, einige horizontal. „Das ist ein anderes Bild als heute morgen“, resümiert Flügge. Er ist der Leiter der Firma S&N Kommunalberatung und seit zehn Jahren in ganz Deutschland unterwegs, um Kommunen dabei zu unterstützen, ihre Kommunikation zu verbessern und die Bürger stärker einzubeziehen. Er lässt abschließend die  Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen zu Wort kommen. Margarete John (SPD) fallen einige der vorgeschlagenen Lösungsansätze positiv auf. „Es fehlt an  der Kommunikation“, schlussfolgert sie. Auch ihr CDU-Kollege Rebel verspricht, die Ideen der Jugendlichen aufzugreifen. „Wir werden bei der Citystreife nachfragen, wie ihre Arbeit läuft.“  Und er lädt die Jugendlichen zu den Fraktionssitzungen ein. „Da sind wir sechs Leute, das ist ganz familiär. Uns ist der Kontakt zu Ihnen wichtig.“ Erik Flügge muss Bernhard Geißlers Redefluss  (Offene Liste) energisch bremsen. Dieser empfiehlt den Jugendlichen, sich bei der Kommunalwahl 2019 einzubringen, „das ist besser als ein Jugendgemeinderat, denn der kann nichts beschließen. Aber als Gemeinderat könnt ihr mitgestalten.“ Das letzte Wort überlässt Flügge Bürgermeister Frank Zimmermann. Er nehme „wichtige Botschaften“ mit, etwa die Vorschläge, das Freibad attraktiver zu gestalten und die Vorschläge zum Thema Sicherheit. Ehe sich die Jugendlichen ins Wochenende verabschieden, überreicht die 15-jährige Michelle ihm die 200 Unterschriften, die sie mit einem Freund für ein Jugendhaus in der Viehzuchthalle gesammelt hat (wir berichteten). Auch diesen Vorschlag nehmen die Gemeinderäte als Hausaufgabe vom Jugendforum mit.

Kugel ins Rollen gebracht

Wie geht’s mit der Jugendbeteiligung in Gaildorf weiter? „Wir haben die Kugel angestoßen, jetzt müssen wir sie am Rollen halten“, sagt Dietmar Winter, Referent für Jugendarbeit der Kreisverwaltung. „Wir müssen jetzt erst mal alles auswerten“, erklärt Pia Dahlinger. Es war ein arbeitsintensiver Vormittag.
Die Jugendlichen sitzen in der Limpurghalle auf dem Boden und hören den Fraktionssprechern zu, die sich über ihre Eindrücke vom Jugendforum äußern. Im Hintergrund stehen Gemeinderäte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Gaildorf.