Workshop – Blues@School

Der Harp darf man nicht wehtun!

Bluesfest Chris Kramer, Sean Athens und Kevin O’Neal bringen Gaildorfer Schülerinnen und Schülern bei „Blues@School“ die Bluestöne bei und stellen sie beim Gaildorfer Samstag auf die Bühne. Von Richard Färbe ; Südwestpresse

Das 26. Gaildorfer Blues-fest ist Geschichte, die letzte „Blue Note“ ist verhallt. Die erste aber haben die Gaildorfer gar nicht mitgekriegt – sie erklingt exklu-siv am Freitagvormittag um 8.30 Uhr für die Viertklässler der Parkschule und Musiklehrer Karl-Heinz Nunn. Chris Kramer setzt die Mundharmonika an, lässt sie grollen, weinen und juchzen, war-tet, bis die Unterkiefer wieder hochgeklappt sind und erklärt die Regel: „Wenn ich rede, seid ihr ruhig!“ Dabei hat er sie schon alle in der Tasche, als er die Übungs-instrumente verteilt, und die Leh-rerin Gretel Engelhardt auch. Sie kommt kurz darauf dazu und will und darf natürlich mitspielen.

Chris Kramer ist mit seinem Trio „Beatbox ’n’ Blues“ zum Spielen und Lehren nach Gaildorf gekommen. Sein Gitarrist und Sänger Sean Athens übt mit einer weiteren Gruppe von Viertkläss-lern im Nachbarzimmer den Froschkönig-Blues und lässt sie auf Holzfröschen mit Krokodilrü-cken den Takt dazu rätschen. Der Dritte im Bunde ist derweil in Un-terrot mit den Drittklässlern von Anna Kempermann zugange: Beatbox-Champion Kevin O’Neal weiht die Schülerinnen und Schü-ler der Bühläckerschule in die Ge-heimnisse der Oral- und Körper-kussion ein.Das Beatboxen macht die Sa-che natürlich interessant. Das Schlagzeugen ohne Trommeln, Hi-Hat und Becken gehört zur Hip-Hop-Kultur und ist deshalb auch eher Bestandteil des musi-kalischen Alltags von Kindern und Jugendlichen als der ver-meintlich alte Blueskrempel. Wo-bei der Blues auch für die Kinder nicht aus der Welt ist: Die zehn-jährige Leonie erzählt, dass sie sich für den Mundharmonika- Workshop bei Kramer entschie-den habe, weil ihr Opa häufig zur Mundharmonika greife und auch den Blues spiele.Im Blues heißt sie „Harp“Dass jetzt an die 30 Kinder bei Kramer sitzen, überrascht ein we-nig. Denn vor zwei Jahren wollte die Kulturschmiede etliche ge-sponsorte Bluesharps – so heißt die Mundharmonika, wenn sie den Blues spielt – an den Gaildor-fer Nachwuchs verschenken, blieb aber darauf sitzen. Die ge-spendeten Instrumente sind jetzt weg, dafür hat Richard Hänle vonder Kulturschmiede Übungsharpsbesorgt. Sie haben nicht zehn,sondern lediglich vier große Öff-nungen, sodass man es problem-los schafft, einen einzelnen Ton zu erzeugen, ohne den Mund zusehr anspitzen zu müssen.„Man muss nur atmen kön-nen“, sagt Kramer und malt Pfei-le auf die Tafel: Rauf bedeutetausatmen, also blasen, runter ein-atmen. Bei vier Öffnungen ergibtes acht Töne, eine komplette Ton-leiter und darin steckt dann auchschon das erste einfache Lied:„Alle meine Entchen“.Gut, besser, cool„Musiker atmen mit dem Bauch“,erklärt Kramer noch, „wenn mananders atmet, tut man der Mund-harmonika weh“, und dann lässt er die Kinder von der Leine, und es hört sich gut an. Kramer steu-ert über den Laptop einige Kla-vierakkorde dazu, und es hört sich besser an. Dann erklingen einBeatbox-Rhythmus und ein Rap zu dieser bedeutsamen Komposi-tion, die vom Opa bis zum Enkel alle kennen, und es hört sich cool an.Die Klassiker „Alle meine Ent-chen“ und „Hänschen klein“ so-wie der „Froschkönig-Blues“ ver-hallen nicht ungehört in der Schu-le. Am Gaildorfer Samstag spie-len „Beatbox ’n’ Blues imSchlosshof und die Viertklässler sind als „Special Guests“ dabei:Links auf der Bühne wird gebeat-boxt, in der Mitte gesungen und gerätscht, rechts schnaufen die Harps und bei „Alle meine Ent-chen“ spricht Athens den Rap dazu. Yeah! Tosender Applaus.